Im Gedenken an unseren Bruder Hamid Bakiri

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Meine Damen und Herren,

Ich wünsche allen einen guten Tag und danke, dass Sie hier sind. Ich möchte mich auch bei der Organisation augenauf und all denen bedanken, die geholfen haben, diese Demonstration zum Gedenken an unseren Bruder Hamid Bakiri zu organisieren.

"Rahimahoullah oua ghafara lahou, oua rahimanaa ou ghafara lanaa ma-ahou."
Möge Gott ihm und uns Sein Erbarmen und Sein Verzeiehn gewähren.

Hamid Bakiri verliess Algerien vor einigen Jahren. Er verliess Constantine, die Stadt der Wissenschaft, Kunst, Musik und Rafinesse. Es ist die Stadt Ahmed Bey's, Abdelhamid Ben Badi's und vieler anderer die uns Meisterwerke hinterlassen haben in ihrer Art, ihre Zuneigung zu Constantine auszudrücken.

Hamid Bakiri fand sich wieder in der Schweiz, und verliess sie, um Europa zu durchreisen, bevor er sich in Norwegen als Flüchtling niederliess. Doch sein Schicksal lag anderswo. Er verliess Norwegen, und reiste durch die Schweiz, um an ein anderes Ziel zu gelangen. Er wusste nicht, dass dies seine letzte Reise sein würde.

In der Nacht auf den 20. September 2001 musste sich dieser 30 Jahre junge Algerier in einer Zelle in Thusis, wo er zwei Monate lang festgehalten worden war, dem Tod stellen.

Inna adjal-Allahi idha dja-a la you-akharou, laou kountoum ta-alamoun.
Wenn die von Gott gegebene Zeit kommt, kann sie nicht verschoben werden, wenn ihr wüsstet!

Oua maa tadri nafsoun bi-ayi ardhin tamout. Inn-Allaha alimoun khabir.
Und keiner weiss, wo er sterben würde.
Bestimmt ist Gott allwissend und perfekter Kenner.

Meine Damen und Herren, zwei Fragen könnten einigen von uns einfallen: "Wieso floh Hamid Bakiri aus Algerien?", und "Wieso hat er sich umgebracht?" Genau zu diesen zwei Fragen möchte ich mögliche Antworten geben, in der kurzen Zeit, die mir zugestanden wurde.

Sein Land zu verlassen und sich im Exil wiederzufinden, getrennt von Familie und Freunden, weit entfernt von seinem Geburtsland, für eine unbestimmte Dauer – kann das einfach sein? Auf diese Frage wird jeder Flüchtling, jeder im Exil lebende, jeder Asylsuchende seine Gefühle auf seine Weise, mit eigenen Worten, eigener Sensibilität wiedergeben.

Der chilenische Dichter Ricardo Reyes, den viele unter dem Namen Pablo Neruda kannten, und er ins Exil gezwungen wurde, schrieb 1965 folgendes:

Das Exil ist rund
Ein Kreis, ein Ring:
Deine Füsse machen die Runde,
Du durchquerst die Erde
Und es ist nicht deine Erde
Der Tag erwacht und
Es ist nicht deiner
Die Nacht kommt:
Es fehlen deine Sterne.

Der afrikanische Poet Fernando d'Ameida dagegen, der auch in Paris im Exil war, schrieb 1976 dieses Gedicht:

Eine Trauerglocke läutete an der Schwelle zum Exil
Und der Sturm des Morgens donnerte gegen das Meer…
Du wirst mit dem herzen in der Faust gehen
Dein Königreich wird das Heimweh sein
Deine Sprache das Gefängnis einer Verbannung.

Was hätte wohl Hamid Bakiri über das Exil gesagt, wenn man ihn befragt hätte?

Eigentlich hat er uns vielleicht schon geantwortet, auf seine Art, in dem er sich eines äusserst gewaltsamen Ausdrucksmittels bediente.

Aber warum flüchtete Hamid Bakiri aus Constantine?

Wieso verlassen die AlgerierInnen ihr Land, denn sie irren sehr zahlreich in den vier Ecken des Erdballs. Im Januar 1992 sagte das Militärregime in Alger der internationalen Gemeinschaft: "Lasst mich einen Putsch machen, lasst mich den Demokratisierungsprozess unterbrechen, lasst mich die Gewinner der Wahlen auslöschen und das politische Feld abriegeln, um der Welt das Losbrechen einer Welle von boat-people aus Algerien zu ersparen." Die internationale Gemeinschaft liess sie gewähren. Schlimmer noch, sie halfen ihr ohne Bedenken.

Das Resultat nach zehn Jahren ist nicht prächtig.

Hundertausende Algerier haben ihr Land verlassen. Männer und Frauen, ganze Familien, höhere Kader, Künstler, Intellektuelle, Ärzte, Wissenschaftler, Junge und weniger junge, einfache Bürger haben es vorgezogen, anderswo zum Teil unter prekären Bedingungen zu leben, als im Algerien der Schreckensgeneräle, der Repression und der vielfältigen täglichen Erniedrigung zu bleiben.Die Bilanz dieses dunklen Jahrzehnts, das Algerien erlebt hat ist erschreckend.Das algerische Volk ist an Seele und Leib verwundet.

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عباس عروة Abbas Aroua

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